Borderline Klinik Bad Bramstedt

Medizinisch-Psychosomatische Klinik Bad Bramstedt
Birkenweg 10, 24576 Bad Bramstedt

Autor: Dr. med. Michael Armbrust, Oberarzt der Klinik (15.11.00)

Behandlungskonzept: Persönlichkeitsstörungen sind kombinierte Interaktions- und Selbstregulationsstörungen, die spätestens im Jugendalter/Pubertät beginnen. Die auftretenden Verhaltensweisen stellen zumindest zu diesem Zeitpunkt eine Art Schutz- oder Überlebensstrategie dar und sollen sich wiederholende schmerzhafte Enttäuschungs- und Überforderungserlebnisse verhindern. Als solche „eigentlich richtigen“ Verhaltensweisen wurden sie in den Jahren zuvor als Lern- und Anpassungsprozeß an schwierige und nicht selten traumatische Lebensbedingungen erworben. Das für eine Therapie entscheidende Problem sind aber die so nicht gelernten, mangelnden Bewältigungsmöglichkeiten für viele Alltagssituationen und dem daraus resultierenden Streß. Im Rahmen üblicher und spezifischer verhaltensmedizinischer Behandlungsverfahren werden Verbesserungen angestrebt der situativen Achtsamkeit, der Streßtoleranz, der Gefühlsregulation, der Beziehungssteuerungsfähigkeit, der sozialen und assertiven Kompetenz, der Problemlösefertigkeiten, der Angstbewältigung, der Regulierung des Eßverhaltens, dem Aufbau positiver Aktivitäten und der Korrektur wenig realitätsgerechter Grundüberzeugungen.

Zielprobleme der Behandlung :

* niedrige Frustrationstoleranz, erhöhte zwischenmenschliche Kränkbarkeit
* mangelndes Selbstbehauptungs- und Durchsetzungsvermögen
* mangelnde Problem- und Konfliktlösefähigkeit
* unzureichend differenzierte Fähigkeit zur Spannungsregulation
* situationsinadäquate Selbstwahrnehmung, instabiles Identitätserleben
* mangelnde oder instabile Emotionsregulation, mangelhafte Impulskontrollfähigkeit
* dissoziative Phänomene , v.a. Entfremdungserleben („Flucht nach innen“)
* stark erhöhtes, andere belastendes Bedürfnis nach Zuwendung und Anerkennung
* unzureichend kontrollierbares selbst- und fremdverletzendes Verhalten
* selbstschädigender Substanzmittelmißbrauch

Therapiestrategien: Im Zentrum unseres kognitiv-verhaltenstherapeutischen Behandlungskonzept stehen Fertigkeiten-, Verhaltensaufbau- und Problemlösetraining, Expositionsübungen und spezifische kognitive Verfahren. Unsere Methoden basieren auf der dialektisch-behavioralen Therapie (DBT) nach Linehan, den interaktionellen Strategien nach Grawe und den kognitiven Methoden nach Beck. Medikamentöse Therapien sind oft hilfreiche und deshalb notwendige Ergänzungen. Individuelle Therapiepläne und längerfristig gedachte Therapie- und Zielvereinbarungen, auch mit Verträgen und klar abgesprochenen Konsequenzen sorgen für einen festen Therapierahmen. Die Therapeuten akzeptieren jeden Patienten in seinen „Selbstschutz“strategien, stellen eine sehr hohe Transparenz des therapeutischen Vorgehens bzgl. aller Veränderungsschritte sicher und sind hinterfragbar. Sehr bewährt hat sich der offene Umgang mit und die ausführliche Erarbeitung der Diagnose “Persönlichkeitsstörung“ und eines individuellen Störungsverständnisses – eingebettet in das durch die homogene Belegung stark akzeptierende Stationsklima erleben die meisten Patienten diesen gegenseitigen Prozeß klärend, erleichternd und motivierend.

Therapieangebote: Einzeltherapie, Co-Therapie, Interaktionelle Gruppenverhaltenstherapie und Fertigkeitentraining, Streßtoleranzgruppe, Gestaltungstherapie, Bewegungstherapie, Sporttherapie, Entspannungstherapie, Expositionsübungen, Soziotherapie, Verhaltenserprobung im häuslichen Umfeld, Angehörigenarbeit.

Rahmenbedingungen und Station: Die Station besteht aus 25 Einzelzimmern, die alle mit Menschen dieser Diagnosegruppe belegt sind. Zum Behandlungsteam für die Station gehören 2 psychologische Psychotherapeutinnen, 2 Ärztinnen, 2 Cotherapeutinnen, 2 Bewegungstherapeutinnen, 1 Gestaltungstherapeut und der Oberarzt. Therapiezeit ist von 8.30 bis 17.00 Uhr, psychiatrische Pflege erfolgt im Regelfall nicht. Die Betreuung außerhalb der Therapiezeit findet – außerhalb der Station – in der medizinischen Zentrale durch ärztlichen, psychologischen und pflegerischen Bereitschaftsdienst statt. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 12 Wochen bei einem Minimum von 6 Wochen und immer mit der Möglichkeit einer Wiederaufnahme, da das Konzept fraktioniert gedacht ist.

Voraussetzungen: Vor der Aufnahme erfolgt ein Vorgespräch mit dem oberärztlichen Teamleiter. Dieses wird vereinbart nach Einreichen der Anmeldeunterlagen (v.a. persönlicher und ärztlicher Bericht) – diese werden auf Anruf hin zugeschickt [Rezeption (0 41 92) 50 4-0]. Kostenübernahmemöglichkeit für die stationäre Behandlung besteht für alle Versicherungsträger, zumeist erfolgt eine Krankenhauseinweisung nach §39, die im Vorwege von der Krankenkasse bestätigt werden muß. Da es sich um sehr spezifisches Behandlungsangebot handelt, ist auch eine überregionale Aufnahme möglich.